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Dominik Prantl: Mountainbiken im Erzgebirge - Der Stoneman Miriquidi

Mit Karacho durch den Finsterwald

Mit Karacho durch den Finsterwald

Bevor es nun gleich den nächsten Wurzelpfad hinabgeht, mit Karacho bei 5,4 Grad Celsius und leichtem Regen, dem Ex-Profi hinterher, wollen wir sicherheitshalber eines schon einmal festhalten: Das Erzgebirge ist eine verdammt schöne Mountainbike-Region mit Basaltsäulen, skandinavisch anmutenden Landschaften, und auf jedem der weitläufigen Gipfel steht ein Turm samt Wirtshaus im Wald. Dass Radfahren auch auf kleineren Bergen nördlich der Donau möglich ist, vergisst der im Alpenraum sozialisierte Mountainbiker nämlich gerne. Roland Stauder ging es da nicht so viel anders:

Als ich das erste Mal hier war, habe ich mich schon gewundert, ob das wirklich gutgeht.

Die Berge, die bei Stauder vor der Haustüre stehen, sind schließlich so ganz anders. Steiler, steiniger, weniger hügelig, Mountains für Mountainbiker halt. Roland Stauder ist aus Sexten in den Dolomiten. Er war einer der ersten zwei Sextener, die in den Achtzigerjahren ein Mountainbike besaßen; bis 2009 verdiente er sein Geld als Profi-Mountainbiker. Er gewann den Gesamtweltcup und stand als Athlet bei Red Bull unter Vertrag, was heutzutage meist mehr über Professionalität aussagt als jeder Titel. Er ist außerdem ein ruhiger, unaufdringlicher und – nach allem, was sich nach zwei Tagen in seinem Windschatten feststellen lässt – sehr bescheidener Mensch. Außerdem kann er sehr viel mehr essen, als es seine Statur vermuten lässt.

Was für das Erzgebirge aber viel wichtiger ist: Gegen Ende seiner Karriere hatte Stauder die Idee von einem Mountainbike-Projekt namens Stoneman. Nun, Ideen verlaufen im Tourismus oft im Sand, weil der Fremdenverkehr in den Bergen häufig von gierigen Seilbahnbetreibern und etablierten Hoteliers bestimmt wird, doch Stauder setzte seine Idee vom Stoneman tatsächlich um. Zuerst 2010 in seiner Heimat Sexten mit dem Stoneman Dolomiti, 2014 dann mit dem Stoneman Miriquidi im Erzgebirge. Miriquidi ist ein altes Wort und heißt so viel wie: Finsterwald.

Aber jetzt erst einmal hinab, mit Karacho durch den Miriquidi. Hallo schöner Fliegenpilz, servus kleine Heidelbeere, autsch, verdammte Riesenwurzel! Vorne gleitet Stauder über Stock und Stein und Schlaglöcher wie ein Windsurfer über kleine Wellen, was sicher an seinem vollgefederten Profi-Rad liegt. Wir rumpeln als hasardierende Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Orthopäden hinterher. Unten hat es 7,5 Grad. Der Regen hat aufgehört.

Mit Rekorden kennen sie sich aus im Erzgebirge: Hier trainiert die Wintersport-Elite.

Stauder mag wunderbar Rad fahren, er hat aber auch eines begriffen: Der Mensch hat es eigentlich nie so richtig über den Zustand des Jägers und Sammlers hinaus geschafft, auch und erst recht nicht der Outdoorsportler. Stauders Konzept des Stoneman fußt auf diesem Sammlerprinzip. Der Kurs des Miriquidi zum Beispiel erstreckt sich über offiziell 162 Kilometer, 4400 Höhenmeter und neun Gipfel in Deutschland und Tschechien. Auf jedem dieser neun Berge zwischen 807 und 1244 Metern Höhe gibt es eine Stempelstelle, um einen entsprechenden Pass zu verzieren. Wer den Parcours innerhalb eines Tages schafft, erhält als Trophäe einen goldenen Stein aus Gneis, wer zwei Tage benötigt, erhält einen silbernen, und die Dreitagesvariante bringt immerhin Bronze. Da es inzwischen außerdem weitere Rundkurse für Rennradfahrer und Wanderer gibt, dazu eben in diversen Ländern, können die verschiedenfarbigen Steine aus Gneis, Kalk oder Granit auf einem Sockel zu einem Steinmann, einem Stoneman eben, zusammengeschraubt werden. Bei manchem Sammler reicht ein Sockel gar nicht mehr aus. Der Rekord liegt bei 25 Steinen.

Dabei muss ein einziger silberner Stein aus dem Erzgebirge schon hart erarbeitet werden. Zwar verteilen sich die 4400 Höhenmeter, doch darf man sich sicher sein, dass nach jeder Abfahrt wieder ein Anstieg kommt. Und so kurbeln und gleiten und rumpeln wir dahin, immer den gelben Schildern nach, über mal sanft, mal weniger sanft abfallende Steige; passieren Wald, Wiesen und Wintersportanlagen. Letztere entpuppen sich mehr noch als der geschichtlich wichtige Bergbau auch im Sommer und Herbst als eines der Leitmotive der Tour. Es geht vorbei an etlichen Skisprungschanzen, über Langlaufloipen und Pisten; sogar die steinerne Rinne einer ehemaligen Natureisbobbahn bildet das Terrain einer kraftraubenden Auffahrt. Immerhin kommt die Sonne zum Vorschein. Zehn Grad, Tagesrekord!

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Dominik Prantl
© Süddeutsche Zeitung GmbH, München.
Mit freundlicher Genehmigung von Süddeutsche Zeitung Content.

Foto: GHOST

Dominik Prantl
Dominik Prantl
Dominik Prantl, Jahrgang 1977, ist im Reiseteil der Süddeutschen Zeitung zuständig für die Berg- und Skithemen. Hat als diplomierter Wirtschaftsgeograph ein Faible für einsame und fremdartige Gegenden wie Südtansania, die Abruzzen oder die Schwäbische Alb. Geht auf Reisen dorthin, wo es weh tut. Foto: privat
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